Bunte Fassade? Aula-Rochade an Grundschule Bersenbrück

Bersenbrück. Soll die Bersenbrücker Grundschule zur neuen Mensa eine bunte Westfassade bekommen? Die Farbgestaltung des „Tigerentenclubs“ möchte der Bauausschuss der Samtgemeinde am liebsten an den Bersenbrücker Stadtrat abschieben. Doch zuvor soll das Bauamt sämtliche Alternativen prüfen und ihre Kosten kalkulieren.

Mit Kunstoffplatten wären unterschiedliche Farbgestaltungen der Westfassade der Grundschule Bersenbrück möglich. Entwurf: Architekturbüro Mutert

Der Bau einer Mensa westlich des Gebäudes ist auch mit Eingriffen in die Fassade verbunden. Und in dem Fall greift eine Bauvorschrift, die den Bauherrn verpflichtet, die Wärmedämmung dieser Wand auf den Stand der Zeit zu bringen. Dies erläuterte Bauingenieur Jürgen Brockmann in einer Sitzung des Bauausschusses der Samtgemeinde am vergangenen Dienstag in Bersenbrück. Handlungsbedarf gibt es auch so, versichert ein Mitglied des Elternrates dieser Schule, das an der Sitzung teilnahm: Teils seien die über 20 Jahre alten Fenster undicht, teils seien ihre Schließmechnismen hinüber und sie ließen sich nicht mehr öffnen. Unterricht zwischen Treibhausklima und Kühlschranktemperaturen.

Das Bramscher Architekturbüro Mutert plant für die Samtgemeinde die Erneuerung der Grundschule. Wie auch das Bauamt würde es eine Sanierung der Fassade mit haltbaren Kunststoffplatten bevorzugen. Mutert-Planer Jörn Witte stellt sie in der Sitzung vor. Die Platten ließen bei der farblichen Gestaltung viele Möglichkeiten, berichtet er. Sie seinen besonders robust, „vandalismussicher“, und dank einer Anti-Haftbeschichtung ließen sich Graffiti problemlos abwaschen.

Alf Farbton denkbar wäre ein neutrales Grau, man könne aber auch den Gelbton des Westgiebels des Erweiterungsbaus aus den Neunzigerjahren aufgreifen und über die gesamte Fassade fortführen. Die Schulkonferenz favorisiere eine dritte Möglichkeit, so Mutert: Man könne den Orangeton der Mensa und das Giebelgelb ineinander übergehen lassen. Der Zuschnitt unterschiedlich gefärbter Platten lasse viele Möglichkeiten.

An der Farbgestaltung zeigte der Ausschuss wenig Interesse. Ob er einen zweifarbigen „Tigerentenclub“ haben wolle, darüber solle der Bersenbrücker Stadtrat entscheiden, hieß es.

Was Michael Johanning (CDU) allerdings störte: Die Verwaltung zeige keine Alternativen zur favorisierten Plattenlösung auf. Was sei etwa mit einer Klinkerfassade? Große Augen bei Bauamtsvertretern und Witte: Klinker seien schon im Vorfeld verworfen worden, weil technisch aufwendig und zu teuer, berichtet Brockmann. Axel Meyer zu Drehle (CDU) bringt die Holzfassade der Turnhalle ins Gespräch, die die Samtgemeinde gerade in Gehrde baut. Das sei doch wohl eine kostengünstige Alternative. Aber entspricht sie auch Brandschutzbestimmungen?, fragt Witte

Offen bleibt, ob die Ostfassade nicht auch sofort erneuert werden müsste. Die sei zwar besser in Schuss als die Westfassade, dürfte aber nur noch wenige Jahre Lebenserwartung haben, heißt es seitens des Bauamts. Nach einigem Hin und Her über technische Fragen einigt sich der Ausschuss: Die Verwaltung soll die Kosten vergleichen für Holzfassaden, Platten- und Verbundsystem, Fensterrahmen aus Kunststoff oder Aluminium.

Zeitgleich ließ sich der Ausschuss über den aktuellen Stand der Planung für Mensaneubau und Umgestaltung der Schule informieren. Demnach gibt es im Schulgebäude zusätzliche Brandschutztüren, der Lichthof ist vom Tisch, ein Durchbruch durch den Flur im ersten Stock, der Tageslicht ins Erdgeschoss bringen sollte. Es bleibt beim Werkraum im Keller, der ein Außenatelier bekommt mit einer Treppe hinauf ins Freie.

Neu ist, dass die Schule ihre Aula aufgeben und künftig den Speisesaal der Mensa als Versammlungsraum nutzen wird. Der Saal biete bis zu 199 Sitzplätze, hieß es. Eine mobile Bühne für kleine Aufführungen gebe es bereits an der Grundschule Ankum, nach deren Umzug würde sie wohl nicht mehr gebraucht.

Hintergrund: Die Belüftungstechnik der alten Mensa hat ihren Zenit lange überschritten, müsste bald ausgetauscht werden. Das würde 100000 Euro kosten. Die Aula gilt als dunkel, eng und dank ihrer Stufen auch ungeeignet für Rollstuhlfahrer. Der Speisesaal hingegen hätte viel Tageslicht und wäre barrierefrei.

Als Versammlungsraum allerdings bräuchte der Speisesaal eine Belüftungsanlage mit Wärmerückführung, auch das schreibt der Gesetzgeber neuerdings aus Klimaschutzgründen vor. Weil sie nur noch als Durchganszone genutzt würde, käme die alte Aula mit einer wesentlich günstigeren Entlüftung hin. Unterm Strich bleiben Mehrkosten von etwa 36000 Euro für die Raum-Rochade.

Quelle: 22.05.2014, Bersenbrücker Kreisblatt